Umzugsratgeber

Wie Sie den Umzug zum Anlass für mehr Ökologie nehmen können

Wie Sie den Umzug zum Anlass für mehr Ökologie nehmen können
Wie Sie den Umzug zum Anlass für mehr Ökologie nehmen können
© Urheber: FollowTheFlow / stock.adobe.com
05.05.2020
Adrian Ministrator

Wer in ein neuerbautes oder zumindest kernsaniertes Heim umzieht, egal ob zur Miete oder im Eigenbesitz, kann sich in Sachen Umwelt zurücklehnen – da wird es kaum etwas zu optimieren geben. Anders sieht es jedoch bei derjenigen Umzügler-Majorität, deren neues Heim kein Objekt ist, das erst kürzlich von den Handwerkern verlassen wurde. Doch just deshalb und weil ein Umzug sowieso meist mit allerlei Neuanschaffungen einhergeht, findet sich hier ein exquisiter Anlass, mit einem Fokus auf Ökologie zu starten – und das gilt nicht nur durch die Anschaffung energiesparenderer Haushaltsgeräte zwischen Waschmaschine und Fernseher.

1. Stichwort Strom

An einen neuen Ort zu ziehen – selbst, wenn der nur wenige Straßen vom alten entfernt ist – bedeutet nicht nur, sich der Post mitzuteilen und der Gemeinde seine neue Adresse zu nennen. Es bedeutet auch, sich mit seinen Versorgungsdiensten auseinandersetzen zu müssen.

Denn nicht jeder davon operiert deutschlandweit. Das gilt natürlich auch für Strom. Im Sinn dieses Artikels ist das auch gut so. Denn zu den wichtigsten Informationen zur Strom-Anmeldung für die neue Wohnung gehört auch das Thema Ökostrom. Der Grund ist simpel: wo sowieso neue Verträge abgeschlossen werden wollen, bietet es sich geradezu an, dabei künftig auf sauber produzierten Strom zu setzen. Allerdings sollte diese Entscheidung frühzeitig gefällt werden.

Sechs Wochen vor dem Umzugstermin, so die Faustregel, sollte die Belieferung spätestens unter Dach und Fach sein. Andernfalls findet der Umzug zwar nicht im Dunkeln statt, wohl aber im teuren örtlichen Grundversorgertarif – in aller Regel mit Graustrom aus allen möglichen Quellen.

2. Kiste statt Karton

Die meisten Umzüge finden nach wie vor mit Kartons statt. Die haben aber ein umwelttechnisches Problem, genauer gesagt zwei:

  1. Neue Kartons müssen energieaufwändig produziert werden.
  2. Gebrauchte Kartons haben zwar einen Umweltbonus, sind aber oft buchstäblich ausgeleiert.
Doch müssen es überhaupt Kartons sein? Abermals kann, nicht zuletzt mit der Umwelt im Hinterkopf, umgedacht werden: Kunststoff- und Holzkisten. Ja, erstere sind zwar bei der Herstellung nicht besser als Kartons. Allerdings bringen beide Varianten es auf ein meist sehr viel längeres Leben. 

Bedeutet, wenn sowieso Verpackungsmaterialien angeschafft werden wollen, sollte zumindest der Gebrauchtwarenmarkt im Netz nach diesen Kisten durchforstet werden. Vielfach sind die kaum teurer als brandneue Kartons. Aber sie bleiben (wert)stabiler. Außerdem können sie im neuen Heim auch noch eine Weiterverwendung als allgemeine Aufbewahrungsbox für Dinge zwischen Winterbettwäsche und Urlaubsutensilien dienen – besonders wenn es sich um die geschlossene Variante mit Deckel handelt.

Tipp: Wenn schon vor dem Umzug neue Möbel vom Laden in die Wohnung gebracht und dort aufgebaut werden, können deren Kartons mitunter auch als Behälter oder zumindest Polstermaterial dienen. Jeder „richtige“ Umzugskarton, der auf diese Weise eingespart wird, ist bereits ein Gewinn für die Umwelt.

3. Hähne und Brausen

Wenn die Küche aufgebaut wird, muss irgendwann auch der Wasserhahn der Spüle montiert werden. Und Duschbrausen, mit denen sich die Vormieter bereits wuschen, werden auch von vielen noch vor dem Umzug ausgetauscht – die Anschlüsse sind ja normiert.

Auch diese Wasserspender eignen sich sehr gut, um gleich ökologischer in die neue Wohnung zu starten. Denn normale Hähne und Brausen haben, basierend auf den gültigen Normen, oft eine zu hohe Durchflussmenge. Bei Duschen etwa sind es oft bis zu 25 Liter pro Minute – wo man schon mit viel weniger genauso sauber wird.

Hier bieten sich, wenn sowieso Armaturen installiert werden, zwei Möglichkeiten an:

  1. Der Einsatz neuer, besonders wassersparender Brausen bzw. Armaturen.
  2. Die Installation von sogenannten Durchflussbegrenzern in der Zuleitung zu den Armaturen.

Bei einem Wasserhahn beispielsweise würde ein solcher Begrenzer einfach zwischen den Wandanschluss (Absperrhahn) und den Anschlussschlauch geschraubt werden.

Tipp: Ist nicht bekannt, ob die alten Armaturen bereits wassersparend sind, einfach ein ausreichend großes Behältnis mit Liter-Markierungen unterstellen und für einen festen Zeitraum mit voll aufgedrehtem Hahn befüllen. Danach lässt sich der Durchflusswert auf die Minute hochrechnen.

4. Isoliertapete

Tapezieren gehört vor dem Einzug zu dem am häufigsten durchgeführten Arbeiten der Neumieter. Doch steht dabei in den meisten Fällen ein triviales Ziel im Fokus: Die Optik der Räume.

Allerdings sollte auch bedacht werden, welch enormes Potenzial sich hier verbirgt – denn immerhin bedecken Tapeten die gesamten Wände, je nach Objekt auch noch die Decken. Alles also Punkte, die wegen ihrer Wärmetransmissionswerte für die Ökologie des Wohnens von enormer Bedeutung sind.

Das hat auch die Bauindustrie schon lange erkannt – und sogenannte Thermo- oder Isoliertapeten ersonnen. Das Prinzip ist simpel: Dabei handelt es sich letztendlich um dünnes Isoliermaterial von der Rolle. Das wird zwischen Wand und Tapete installiert, anschließend auf normalem Weg tapeziert und ähnelt so der bekannteren (in der Durchführung viel aufwändigeren) Innenwanddämmung. Speziell dort, wo Wärmetransmission besonders unerwünscht ist, konkret in Heizkörpernischen, an Außenwänden und solchen, die die Wohnung vom kalten Treppenhaus trennen.

Zwar darf man von einem derart dünnen Material keine Dämm-Wunder erwarten. Wohl aber eine Effizienzsteigerung durch eine Arbeit, die sowieso in aller Regel getan werden muss.

Wichtig: Bitte nur auf hochwertige Dämmtapeten setzen. Diese müssen atmungsaktiv sein, sonst kann es zu Schimmelproblemen kommen.

Die Leuchtmittelwahl

Der Sparer

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Lampen anzuschließen gehört ebenfalls zu jenen Arbeiten, die vor den allermeisten Umzügen anstehen. Und in vielen Fällen werden die Stücke aus der alten Wohnung gerne mit in die neue genommen – und das nicht nur, weil neue Lampen überraschend stark ins Geld gehen können.

Genau bei diesem Detail des Umzugs besteht jedoch auch vielfach ein Umweltproblem: Die Leuchtmittel in den Lampen ziehen ebenfalls mit um. Warum auch nicht, sie funktionieren ja noch, denken sich Umzügler. Ja, das tun sie. Aber wenn sie vielleicht schon viele Jahre in der Lampe verwendet wurden, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie energetisch kaum noch auf dem Stand der Dinge sind; das gilt nicht nur für den Fall, dass es sich noch um echte Glühbirnen handelt.

Hier sollte der Umzug Grund genug sein, alles, was leuchtet, mit zeitgenössischer LED-Technik auszustatten. Die gibt es mittlerweile auch für Leuchtmittel, die zuvor auf Halogenbasis arbeiteten. Wegen der hohen Lebensdauer ist das eine Einmal-Ausgabe. Und weil die Ersparnis vom ersten Einschalten an wirkt, macht es sich nicht nur für die Umwelt, sondern auch den eigenen Geldbeutel bemerkbar.

6. Neue Bettdecken

Bettdecken, regional auch Plumeaus genannt, gehören beim Umzug zu den sperrigeren Haushaltsstoffen – selbst dann, wenn sie in Staubsauger-Vakuumbeutel verpackt werden.

Allerdings steht und fällt mit der Dämmwirkung der Bettdecke auch die Schlafqualität – und darüber ein energetisches Detail: Wenn die Wärme des Plumeaus nicht ausreicht, sind Schläfer viel eher gewillt, die Heizung im Schlafzimmer hochzudrehen.

Bedeutet: Seine alten Bettdecken vor dem Umzug zu entsorgen, kann wegen der unvermeidlichen Milben nicht nur ein hygienischer, sondern auch energetischer Vorteil sein – wenn die neuen Stücke dicker sind und mehr Wärme zurückhalten.

Wir wünschen Ihnen einen gelungenen Umzug!

Ihr umzuege.de-Team

Erfahrene Profis

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